Monatsgedanken NOVEMBER 2022 «Eine etwas andere Erfindung»

Bild andere Erfindung (Foto: Rahel Hofer)
Freudestrahlend sagt mir der junge Bastler des abgebildeten Kunstwerks:
«Ich habe eine Erfindung gemacht. Diese Maschine wird von jetzt an mein Zimmer aufräumen und auch gleich noch staubsaugen!» Ich lache und lasse mir die Maschine vom Erfinder im Detail erklären. Was für eine clevere Idee!

Wann haben Sie das letzte Mal eine Erfindung gemacht?

Bei mir war es ein Menü, das ich aus zusammengewürfelten – und auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassenden – Resten aus dem Kühlschrank zusammenstellte. Es war besser als gedacht! Oder als ich in einem fremden Haushalt einen Kuchenteig mit einer Pet-Flasche auswallte, da ich den «Kuchentröler» nicht finden konnte.

Erfindungen anderer Art bin ich vor Kurzem bei einem Besuch begegnet. Herr S. ist nicht mehr so sicher auf den Beinen, auch die Augen tun ihren Dienst nicht mehr so wie früher. Dass der Umgang mit diesen Einschränkungen nicht immer einfach ist, verheimlicht Herr S. nicht. Trotzdem bleibt er nicht beim Klagen stehen. Immer neu versucht er mit Kreativität die Herausforderungen zu meistern. «Das Alter macht erfinderisch» sagt er mit Schalk in den Augen. Mit diesem Motto kann er oftmals seinen «Bräschten» flexibel und kreativ begegnen und trotz Einschränkungen und Abhängigkeiten selbstbewusst und humorvoll mit seinen Grenzen umgehen. «Ich erfinde mein Leben immer wieder neu, jede Etappe bringt wieder neue Herausforderungen» sagt er mit einem Lachen.

Ich bin sehr beeindruckt und die Haltung wirkt auf mich ansteckend. Und ich komme ins Grübeln: Ist nicht in jedem Lebensalter ein kreativer Umgang mit dem Leben gefragt? Das Leben ist schliesslich immer im Fluss und wandelt sich. Die Herausforderungen ändern sich und ein kreativer Umgang damit schenkt Spielraum.

Das Wort «Kreativität» kommt aus dem Lateinischen von creāre und bedeutet erschaffen, erzeugen. Kreativität ist also schon in der Schöpfung angelegt. Wir nehmen sie wahr im Staunen über die Vielfalt an Leben, an Farben, an Anpassungsfähigkeit – Gott muss überaus kreativ sein!

Kreativ sein, erfinderisch sein – ich denke, das ist in uns angelegt. Wenn wir uns als Teil der Schöpfung, als Teil des lebendigen Ganzen verstehen, heisst das immer auch, bescheiden bleiben und akzeptieren von unverrückbaren Grenzen – und gleichzeitig den Spielraum nutzen, der für kreatives, erfinderisches Wirken möglich ist. Sei es nun mit einer Aufräum-Staubsaug-Maschine, dem einfallsreichen Begegnen von Altersbeschwerden oder der kreativen Kühlschrank-Resten-Verwertung.

Oder wie das Reinhold Niebuhr so schön formuliert hat:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Herzlich, Rahel Hofer

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