Monatsgedanken Oktober 2022 "Das Tier ist ein Tier und ...

Mädchen und Pferd (Foto: Pixabay)
der Mensch ist ein Mensch
Neben den Beziehungen von Personen untereinander stehen dem Menschen unter allen Lebewesen die Tiere am nächsten. Nicht nur dass seine Entwicklung mit dem Tierreich verwoben ist. Im Lauf der Geschichte hat der Mensch zu Tieren auch vielfache und ganz unterschiedliche Beziehungen entwickelt. Er bewundert ihr Aussehen und ihre Fähigkeiten. Er jagt und züchtet sie, um sie als Nahrung zu verwenden oder als Nutztiere zu halten. Er macht sie sich zum Gefährten, fürchtet sie aber auch als seine Feinde.

Heue ist "Tierwohl" ist ein politisch gefärbter Begriff mit sehr engen Grenzen. Weit darüber hinaus geht es aber um die grundlegendere Frage, warum wir heute überhaupt noch Tiere halten, töten und konsumieren sollen. Das Verhältnis zu den Tieren berührt insofern immer auch die Frage des Menschen nach sich selbst. Was unterscheidet die Person und was verbindet sie mit den Tieren? Wie soll sich der Mensch den Tieren gegenüber geben? Gerade sein Verhalten zu Tieren gestaltet sich heute in mancher Hinsicht sehr problematisch, ja geradezu widersprüchlich. So pflegt der moderne Mensch auf der einen Seite einen Lebensstil, der Tiere rücksichtslos den eigenen Zwecken unterwirft und zur Vernichtung vieler Arten führt, auf der anderen Seite ‚vermenschlicht‘ er jedoch auch einige seiner Haustiere in einer ebenso problematischen Weise.

Kürzlich hörte ich wie im Radio die Tierhaltung zwecks Fleischkonsum als Genozid bezeichnet wurde. Ich sehe, wie meine Nachbarin ihre Katze vegan ernährt, ihr ein Glöcklein um den Hals hängt, mit dem sie die Vögel warnt und so keine Opfer nach Hause bringt. Ich erlebe in meinem Bekanntenreis in Diskussionen, dass alle Tiere, auch wirbellose Tiere autonome Rechte haben sollen. Weiter hinunter in die Niederungen des Tierreichs traut man sich jedoch nicht, weil das Recht für Tiere auf Leben eine Parasiten- ‐ und Schädlingsbekämpfung verböte. Mit Läusen im Haar, Würmern im Bauch und Krankheiten wie Malaria, die durch tierische Parasiten verursacht werden, möchte wohl auch keine Tierrechtlerin in meinem Bekanntenreis leben.

Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Mäuse und allerlei anderes Getier verniedlicht und verkitscht: in Film und Fernsehen, im Cartoon und in märchenhaften Geschichten, als Stofftier oder süßes Maskottchen. Manche Tiere liefern Kosenamen für die Liebenden, andere Schimpfworte.

Auf der anderen Seite möchte niemand ein Schwein sein; doch viele lieben ihre Schultern und Schenkel. Anderswo, fern der Öffentlichkeit fristen Tiere eine klägliche Existenz in Laboren und Versuchsanstalten. Was ihnen angetan wird, geschieht zum Wohle des Menschen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Tier nicht in seinem Recht zu Leben geschmälert wir, wenn ein Tier ein Tier bleibt und je mehr ein Mensch über die lebendige Wirklichkeit der Natur weiss, umso mehr kann er sich auch nachhaltiger darin bewegen.

Mensch und Tier gehören als Geschöpfe zusammen. Beide empfangen ihr Leben als Lebensraum und Lebensversorgung von Gott selbst, wie es im Psalm 104 beschrieben ist. Im Ganzen der Schöpfung hat jedes Lebewesen seinen eigenen Sinn und Wert und keinesfalls nur einen Nutzwert für den Menschen. Und so sind wir als Menschen verpflichtet, verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen, sie artgerecht zu halten, für Lebensbedingungen einzutreten, die einem Tier würdig sind. Das gilt für unsere Haustiere genauso wie für die Nutztiere, die unserer Nahrung dienen, aber auch für die Wildtiere in der freien Natur.

Pfarrerin Magdalena Daum


aus Psalm104 Loblied auf den Schöpfer

19 Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht. 20 Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes. 21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung. 22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken. 23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, / sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 25 Da ist das Meer, so groß und weit, / darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere.[1] 26 Dort ziehen die Schiffe dahin, der Levíatan, den du geformt, um mit ihm zu spielen. 27 Auf dich warten sie alle, dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit. 28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. 29 Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, / nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. 30 Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde. 31 Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke. 32 Er blickt herab auf die Erde und sie erbebt, er rührt die Berge an und sie rauchen. 33 Ich will dem HERRN singen in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin. 34 Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am HERRN. 35 Die Sünder sollen von der Erde verschwinden / und Frevler sollen nicht mehr da sein. Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Dokumente